Erziehung autistischer Kinder


Die Erziehung autistischer Kinder stellt an uns Eltern ganz besondere Herausforderungen.

Selbstverständlich benötigen Kinder mit Autismus besonderes Verständnis und Einfühlsamkeit für ihre speziellen Probleme. Natürlich müssen wir vermeiden, unsere Kinder zu überfordern und Unmögliches von ihnen zu verlangen. Aber darüber dürfen wir nicht vergessen, dass sie auch ein Recht auf Erziehung haben.

Gerade die Gewöhnung an Regeln und Strukturen und das Trainieren sozialer Fertigkeiten sind bei der Erziehung autistischer Kinder ein "Muss". Die sozialen Defizite sind die Kriterien, die die Diagnose "Autismus" bewirken. Und hier setzt unsere Pflicht als Eltern ein, den Kindern zu helfen, soziale Fertigkeiten zu erwerben bzw. zu verbessern.

Ein jugendlicher Autist mag noch so hervorragende kognitive Fähigkeiten haben, wenn wir versäumten, ihm die wichtigsten sozialen Regeln beizubringen, wird er trotz fachlicher Qualifikation kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommen.

Deshalb müssen wir bereits im frühen Kindesalter damit beginnen, unseren Kindern beizubringen, wie sie jemanden begrüßen, wieviel Abstand zu anderen Personen angemessen ist, dass sie nicht ständig unaufgefordert nur über ihre speziellen Themen reden usw.

Wir müssen Blickkontakt, Gestik, Mimik, Körpersprache, Tischmanieren, Umgang mit "intimen Themen" und Anderes mit unseren Kindern üben, und natürlich auch, unangemessene Verhaltensweisen abzulegen.

Hierbei ist es wichtig, dass wir - bevor wir ein Thema angehen - uns darüber im Klaren sein müssen, ob wir die geforderten Verhaltensweisen immer und zu jeder Zeit durchsetzen können. Denn Konsequenz im elterlichen Verhalten ist dringend notwendig, damit unsere Kinder Regeln und Strukturen lernen und generalisieren können. Also müssen wir auch an uns arbeiten und eventuell unser eigenes Verhalten modifizieren, bevor wir mit unseren Kindern effektiv arbeiten können.

Auch sollten wir vermeiden, an mehreren Themen gleichzeitig zu arbeiten. Erst wenn ein Verhalten sicher gelernt ist, können wir das nächste Problem angehen.

Verlangen Sie am Anfang nicht zuviel von Ihrem Kind, sondern stellen Sie die Anforderungen so, dass das Kind sie wahrscheinlich erfüllen kann. Dann steigern Sie sie, aber immer so, dass Ihr Kind Erfolgserlebnisse hat. Geben Sie Ihrem Kind anfangs Hilfen, die Sie dann immer mehr ausblenden können. Wenn Ihr Kind etwas wirklich kann, sollten Sie es dazu bringen, dies in Zukunft immer selbst zu tun, auch wenn es Ihnen manchmal nicht schnell genug geht. Natürlich ist die Disposition bei autistischen Kindern von Tag zu Tag unterschiedlich; an einem "schlechten Tag" geben Sie Ihrem Kind Hilfestellungen, damit es das Ziel erreicht, aber vermeiden Sie, die Aufgabe für das Kind zu erledigen.

Lassen Sie Verstärker oder Konsequenzen direkt erfolgen, damit Ihr Kind den Zusammenhang zwischen seinem Tun und der Folge darauf versteht. Belohnungen am Ende des Tages ("weil du heute so lieb warst") kann das Kind nicht mehr mit seinem Verhalten in Verbindung bringen und lernt somit nichts. Konsequenzen bei unerwünschtem Verhalten sollen einen logischen Bezug zum Tun des Kindes haben (z.B. Das Kind hat sich lange geweigert, seine Schuhe anzuziehen, nun ist es leider zu spät für den Spielplatz).

Manchmal wird es uns hart erscheinen, konsequent von unserem Kind Verhaltensweisen zu fordern, die ihm schwer fallen. Dennoch sollten wir uns überlegen, was für unser Kind auf Dauer schlimmer ist: Heute ein Wutanfall, weil die Eltern "streng" sind, oder morgen ein Leben am Rande der Gesellschaft, allein und einsam, weil wichtige Fähigkeiten in der Kommunikation und im Benehmen fehlen.

Solange Sie Ihrem Kind immer wieder deutlich zeigen, dass Sie es lieben und unterstützen, und solange Sie die Gratwanderung zwischen Fördern, Fordern und Überfordern schaffen, wird sich die Beziehung zu Ihrem Kind nicht verschlechtern sondern deutlich verbessern.

Geeignete Methoden zur Erziehung autistischer Kinder sind die Verhaltenstherapie, das TEACCH-Programm und die Angewandte Verhaltensanalyse (ABA). Wenn Ihr Kind spezielle Autismus-Therapie bekommt, fragen Sie die Therapeuten nach Anleitung und Unterstützung zu diesen Methoden.

Möglicherweise erscheinen Ihnen diese Methoden bei der ersten Betrachtung als "Dressur". Wir Eltern können aber nicht warten, bis unsere Kinder "alt genug sind, um soziale Regeln von allein zu begreifen", das wird wahrscheinlich nie geschehen. Deshalb gilt auch hier: Lieber Verhaltensmuster und -Strukturen ständig erklären und sicher einüben, statt das Risiko einzugehen, dass unser Kind ständig im Abseits stehen wird.

Hannelore Gerner©

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In Kürze werden wir auf dieser Seite auch weiterführende Aufsätze mit entsprechenden Anleitungen veröffentlichen, zur Zeit finden Sie hier den Artikel von Kelly McKinnon "Teaching social skills to children on the autistic spectrum" als PDF-Datei. Der Artikel wurde der Zeitschrift "Autism News of Orange County & the Rest of the World", herausgegeben von Frau Dr. Vera Bernard-Opitz, entnommen.


Lesen Sie bitte auch den Text von Gerda Thieme "Umgang mit autistischen Kindern"


Es gibt inzwischen viele Bücher über Autismus und Asperger-Syndrom, speziell für Eltern geschrieben, die auch gute Hilfen zum Umgang mit den Kindern geben. Daneben gibt es gute Bücher über Sozialtraining für autistische Kinder, meistens für Erzieher geschrieben, die diese Programme in ihren Sozialkompetenz-Trainingsgruppen druchführen. Diese Programme lassen sich aber für zuhause abwandeln. Aber auch speziell für uns Eltern gibt es inzwischen Erziehungsbücher zum Umgang mit autistischen Kindern.

Einige Bücher werden hier vorgestellt - ohne Anspruch auf Vollständigkeit.


Shira Richman
"Wie erziehe ich ein autistisches Kind?"
Ein Ratgeber für Eltern zur "Angewandten Verhaltensanalyse (ABA)"

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dieses Buch ist speziell für Eltern zur Hilfe bei der Erziehung autistischer Kinder geschrieben und gibt viele Programme und Anleitungen zu den verscheidensten Problemen.


zur BuchbeschreibungTony Attwood
"Das Asperger-Syndrom"
Ein Ratgeber für Eltern

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Tony Attwood beschreibt das Asperger-Syndrom und gibt Hinweise zum Umgang mit den Kindern


zur BuchbeschreibungJoan Matthews / James Williams
"Ich bin besonders!"
Autismus und Asperger:
Das Selbsthilfebuch für Kinder und ihre Eltern

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Es werden viele Tipps und Hinweise zum Lösen von Problemen gegeben, die aber nicht alle in Deutschland umsetzbar sind.


Fritz Poustka, Sven Bölte, Sabine Feineis-Matthews
"Ratgeber Autistische Störungen"

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Neben der Erklärung von Autismus und Asperger-Syndrom sowie den Ursachen werden Behandlungsmethoden vorgestelt.


Anne Häußler
"SOKO Autismus"
Gruppenangebote auf der Basis des TEACCH-Ansatzes zur Föderung SOzialer KOmpetenzen bei Menschen mit Autismus
- Erfahrungsbericht und Praxishilfen -

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Dieses Buch enthält Programme zur Förderung autistischer Kinder in Sozialkompetenz-Gruppen. Die Methoden sind aber auch für zuhause übertragbar.


zur BuchbeschreibungDr. Vera Bernard-Opitz
"Sprachlos muß keiner bleiben"
Einblicke in alternative Kommunikationshilfen zur Förderung der nichtverbalen Kommunikation

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zur BuchbeschreibungPeter Vermeulen
"Ich bin was Besonderes"

Unterweisung für Kinder und Jugendliche über ihre autistische Störung

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Das Buch soll Kindern helfen, sich mit ihrem Autismus/Asperger-Syndrom auseinander zu setzen - es enthält dazu Arbeitsblätter - bietet aber auch Hilfen zur Bewältigung einiger Probleme.


letztes Update: 06.01.2005

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