Asperger-Syndrom


Bei dem Wort "Autismus" denken die meisten Menschen zunächst an das "Kind unter dem Glassturz", das ohne Kommunikation mit der Umwelt ganz in seiner eigenen Welt lebt. Das stimmt aber mit dem, was wir heute über die vielfältigen Formen von Autismus wissen, nicht mehr überein.

Bei einem Kind mit Fähigkeiten im Normalbereich, das fließend spricht und sehr gute Kenntnisse auf besonderen Spezialgebieten hat, denkt man zunächst nicht an Autismus. Es ist auffällig in seinem sozial ungeschickten Auftreten, es hat keine Freunde, lebt am Rande der Gemeinschaft. Im täglichen Umgang ist dieses Kind schwierig, ohne dass man erkennen kann, warum das so ist. Es ist möglicherweise begabt auf einzelnen Gebieten, trotzdem stimmt etwas Fundamentales nicht.

Hans Asperger beschrieb 1944 eine Gruppe von Kindern, die intellektuell nicht beeinträchtigt waren, ein gutes Sprachvermögen hatten, aber deren gesamtes soziales Verhalten merkwürdig war.

Insbesondere fiel ihm Folgendes auf:

  • Störungen im Blickkontakt, Körpersprache, Gestus und Sprachgebrauch
  • im normalen alltäglichen Umgang mit anderen keine natürliche, altersgemäße Kommunikation
  • Körperhaltung und Gesten nicht im Bezug zur Situation
  • motorische Ungeschicktheit, die künstlich oder seltsam wirkt, Tonfall und Wortwahl auffällig
  • gut entwickelte sprachliche Kompetenz aber monotone Sprachmelodie oder eine "erwachsene" Ausdrucksweise
  • Schwierigkeiten bei spontaner verbaler Kommunikation
  • Diskrepanz zwischen Intelligenz und Gefühlsleben

Er nannte sie "autistische Psychopathen", heute sprechen wir vom Asperger-Syndrom.

Als erstes fällt an diesen Kindern, die zunächst völlig gesund wirken, ihre emotionale Distanz und ihre ausgeprägte motorische Ungeschicklichkeit auf. Sie verfügen über eine normale Intelligenz, in Teilbereichen eine intellektuelle Frühreife, ein gutes Sprachvermögen und kommen mit dem normalen Schulstoff zurecht. Die Kernsymptome für Autismus sind alle vorhanden, allerdings sind sie nicht so stark ausgeprägt, wie bei Kindern mit Kanner-Syndrom. Das bedeutet aber nicht, dass die Beeinträchtigungen geringfügig oder unbedeutend sind.

Die Eltern dieser Kinder vollführen eine "Gratwanderung" zwischen Fördern, Fordern und Überfordern. Sie sorgen sich sehr um ihr Kind und haben oft große Angst, dass es als Erwachsener kein selbständiges Leben führen kann, da ihm viele praktische und soziale Fähigkeiten fehlen, die im Alltagsleben benötigt werden. Auf der anderen Seite müssen sie sich häufig Vorwürfe anhören, sie seien nicht fähig, ihr Kind richtig zu erziehen.

Aufgrund ihrer veränderten Wahrnehmung sind autistische Kinder in allen Lebensbereichen beeinträchtigt, das gilt auch für Kinder mit Asperger-Syndrom. Sie aber gehen häufig unerkannt in ganz normale Schulen, wo von ihnen auch "ganz normales" Benehmen erwartet wird. Und spätestens hier fallen sie vor allem durch ihr merkwürdiges Sozialverhalten auf.

Denn im Gegensatz zu Kindern mit Kanner-Syndrom werden Kinder mit Asperger-Syndrom erst relativ spät - manchmal erst im Verlauf des Schulalters - diagnostiziert, da sie auf den ersten Blick recht normal wirken und die Auffälligkeiten zunächst den verschiedensten Ursachen zugeschrieben werden können. Häufig wird ihre Störung nicht ernst genommen. So werden an diese Kinder Anforderungen gestellt, die sie nicht erfüllen können. Das auffällige Verhalten wird oft fälschlicherweise als "Nicht-Wollen" angesehen, als Ausdruck des Wunsches, im Mittelpunkt zu stehen, schlimmstenfalls als Bösartigkeit.

Diese Kinder verfügen über ein hohes Sprachniveau und eine normale bis überdurchschnittliche Intelligenz, deshalb nimmt man an, dass sie auch alles verstehen. Aber oftmals erkennen sie nicht das Wesentliche in einer Aussage sondern halten sich mit subjektiven Details auf, ohne den Inhalt richtig zu erfassen.

Kinder mit Asperger-Syndrom können von sich aus kaum altersgemäße Beziehungen zu anderen Kindern herstellen.
Die Kontaktaufnahme geschieht verstandesmäßig, die Gefühle anderer werden nicht wahrgenommen. Die Kinder wirken auf ihre Klassenkameraden fremd und beunruhigend und werden daher oft Opfer von Ausgrenzung und/oder Mobbing. Sie merken bald, dass sie anders als ihre Klassenkameraden sind. Mit zunehmendem Alter kommt dann die Erkenntnis, dass sie niemals so sein werden, wie diese, auch wenn sie sich noch so sehr anstrengen.

Werden sie mit damit allein gelassen, ist die Gefahr einer Depression sehr groß. Dies kann sich dahingehend auswirken, dass sie entweder Aggressivität zeigen, oder sich völlig zurückziehen. Manche wollen gar nicht mehr leben.

Durch das große Wissen auf dem Gebiet ihrer Spezialinteressen und die Hartnäckigkeit, mit der sie diese Interessen verfolgen, können Kinder mit Asperger-Syndrom hier hervorragende Leistungen erbringen. Überhaupt sind ihre hervorstechenden Eigenschaften: Genauigkeit, Perfektion, stark ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, absolute Wahrheitsliebe, logisches Denken. Wenn diese Eigenschaften gefördert und in die richtigen Bahnen gelenkt werden, können aus Kindern mit Asperger-Syndrom sehr gewissenhaft und genau arbeitende Angestellte, aber auch hervorragende Wissenschaftler, Erfinder oder Künstler werden.

Kinder mit Asperger-Syndrom sind - gemessen am autistischen Spektrum - relativ "leicht" betroffen. Dennoch benötigen sie besonderes Verständnis und Hilfe, aber es muss die richtige Art von Hilfe sein. Mit der entsprechenden Anleitung können sie soziale Verhaltensweisen lernen. Dann sind die Chancen, dass sie einen Beruf ausüben und ein weitgehend eigenständiges Leben führen können, recht gut.

Hannelore Gerner

Druckversion

"Beim Asperger-Syndrom handelt es sich um eine ausgeprägte Kontakt- und Kommunikationsstörung, die spätestens im Vorschulalter manifest wird und die durch eine qualitative Beeinträchtigung des Interaktionsverhaltens, mangelndes Einfühlungsvermögen, motorische Auffälligkeiten und ausgeprägte Sonderinteressen charakterisiert ist.

Ihre soziale Bedeutung zeigt sich darin, dass die betroffenen Kinder isoliert sind, aufgrund ihrer Verhaltensauffälligkeiten überall anecken und oft auch aus schulischen Förderprogrammen herausfallen.

Als Ursache der Störung werden genetische Faktoren angenommen im Verein mit umschriebenen Hirnfunktionsstörungen und neuropsychologischen Ausfällen, die alle auf eine Einschränkung im Bereich des nonverbalen Lernens hinweisen, obwohl sich das allgemeine Intelligenzniveau meist im Normbereich bewegt.

Die Behandlung muss stets die individuellen Besonderheiten des Falles berücksichtigen und stützt sich auf verhaltenstherapeutische Ansätze, die Einübung sozialer Fertigkeiten und auf die Beschäftigung unter Einbeziehung der jeweiligen Interessen und Fähigkeiten.

Ein medikamentöser Einsatz ist angezeigt, wenn besondere Symptome wie ausgeprägte Hyperaktivität und Unruhe, aggressives Verhalten, Schlafstörungen oder depressive Verstimmungen auftreten.

Schlüsselwörter: Asperger-Syndrom, autistische Psychopathie, Persönlichkeitsstörung, Entwicklungsstörung"

Quelle: Prof. Dr. Dr. Helmut Remschmidt, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesverbandes "Hilfe für das autistische Kind" Deutsches Ärzteblatt 97, Heft 19, vom 12. Mai 2000  "Das Asperger-Syndrom - Eine zu wenig bekannte Störung?")

"Bei dieser Störung handelt es sich um ein autistisches Syndrom, das in der Regel später diagnostiziert wird, als der frühkindliche Autismus (Kanner-Syndrom). Es wurde 1944 von Hans Asperger zum ersten Mal unabhängig von Leo Kanner beschrieben."

Prof. Dr. Dr. Helmut Remschmidt: "Autismus" - Buchbeschreibung"Im Gegensatz zum frühkindlichen Autismus fehlen beim Asperger-Syndrom die verzögerte Sprachentwicklung wie auch die Einschränkung der kognitiven Entwicklung. Vielmehr lernen Kinder mit Asperger-Syndrom relativ früh und gut, vermögen sich manchmal sprachlich recht ungewöhnlich auszudrücken und bewegen sich auch in ihrer Intelligenz im Normbereich. Jedenfalls ist ihre Intelligenzausstattung deutlich besser als bei Kindern und Jugendlichen mit Kanner-Syndrom."

Die Behinderung beim Asperger-Syndrom ist unsichtbar. Das heißt aber nicht, dass die Schwierigkeiten unbedeutend sind.

Die davon betroffenen Menschen erleben sich als außerhalb der sozialen Gemeinschaft, was für ihre Mitmenschen oft unfassbar ist. Teilweise empfinden sie sich als "Ausländer im eigenen Land" oder als "Außerirdische", die auf einem "falschen Planeten" gelandet sind.

Die Diagnose wird oft recht spät gestellt, da das eigenartige Sozialverhalten verschiedensten Ursachen zugeschrieben werden kann. Häufig ist es sogar immer noch ein Problem, die korrekte Diagnose zu erhalten. Eine korrekte Diagnose ist aber wichtig, um die betroffenen Menschen richtig zu verstehen und gezielte Hilfe leisten zu können.

Menschen mit Asperger-Syndrom brauchen manchmal sogar nur relativ wenig Hilfe, aber es muss die richtige Art von Hilfe sein. Aber selbst diese können sie nicht erhalten, wenn niemand weiß, was mit ihnen los ist. Auf einigen Gebieten wird zuviel von ihnen erwartet, und dieser Druck kann sie (fast) umbringen, erst recht, wenn sie selber nicht wissen, warum sie "so" sind.

Und wenn nicht einmal Fachleute über diese Behinderung Bescheid wissen, ist die Gefahr einer Fehldiagnose oder einer unangemessenen Behandlung groß.

(Quelle: u.a. "Das Asperger-Syndrom", herausgegeben vom Bundesverband "Hilfe für das autistische Kind" Einleitung von Kari Steindal und Vorwort von Susanne Schäfer)


Susanne Schäfer - eine junge Frau mit schwerer Mehrfachbehinderung (unter anderem hatte sie auch die Diagnose Autismus)  - schreibt im Vorwort zur zweiten Auflage ihrer Übersetzung des Heftes "Das Asperger-Syndrom" von Kari Steindal weiterhin:

"Autismus ist keine Charaktereigenschaft, sondern etwas, das (wie andere Behinderungen auch) einem oft die Chancen in der 'Normalwelt' und die eigene Lebensqualität sehr einschränkt, egal, wie gut oder schlecht man seine Schwächen durch 'Spezialfähigkeiten' kompensiert. Ein Blinder ist immer noch blind, egal wie gut er hören oder tasten kann.

In diesem Sinne möchte ich darauf hinweisen, dass eine Diagnose sehr wohl wichtig ist (Erklärung, Verständnis usw.), aber auch Gefahren in sich bergen kann:

Nämlich dann, wenn sie (vor allem aufgrund der Prognose: da ist eh nichts dran zu machen!) dazu führt, die Hände däumchendrehend in den Schoß zu legen und zum 'Berufsautisten' zu werden, gar stolz auf die 'interessante Persönlichkeit' zu sein und bei jeder Gelegenheit auf seinem 'Autismus' herumzugeigen ... und gar nichts ändern zu wollen.

Eine korrekte Diagnose, egal bei welcher Krankheit oder Behinderung, ist wichtig, doch sie darf nicht hemmen."

und etwas weiter:

"Im Nachhinein muss ich erkennen, auch mich hat die 'Autismus-Diagnose' jahrelang daran gehindert, weiter nach Möglichkeiten zu suchen. Ich möchte allen Betroffenen und deren Angehörigen etwas Mut machen und sagen:

Bitte gebt nicht so leicht auf; Entwicklung kann immer möglich sein! Nur eines ist sicher: Entwicklung ist nicht möglich, wenn man sie gar nicht will."


Veröffentlichungen von Susanne Schäfer:

Susanne Schäfer: "Sterne, Äpfel und rundes Glas""Sterne, Äpfel und rundes Glas" - Buchbeschreibung

"Die 'Schlafkrankheit' NARKOLEPSIE - ein Erfahrungsbericht über Lachschlag, Schrecklähmung und Pennen in Pappkartons" - Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart, 1998


Achtung!An der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Philipps-Universität Marburg ist unter Leitung von Prof. Dr. Remschmidt eine Asperger-Forschungsgruppe entstanden, das Marburger Untersuchungs- und Forschungsprogramm zum Asperger-Syndrom und High-functioning-Autismus.

Auf den Webseiten der Klinik werden die Symptome und die Diagnosekriterien dargestellt. Weiter werden Ursachen und Verlauf des Asperger-Syndroms aufgezeigt.

In einer "Schnellinfo" heißt es unter anderem:

"Was versteht man unter Asperger- Syndrom und High functioning Autismus?

Vor mehr als 50 Jahren beschrieben zwei Wissenschaftler unabhängig voneinander, fast zur gleichen Zeit, eine kindliche Störung, die sie "Autismus" nannten. Im Herbst 1943 beschrieb Leo Kanne unter dem Titel "Autistische Störungen des affektiven Kontakts" elf Kinder, im Frühjahr 1944 beschrieb der Wiener Pädiater Hans Asperger in dem Artikel "Die autistischen Psychopathen" vier Kinder mit besonderen Auffälligkeiten. Beide Autoren beschreiben - ohne voneinander zu wissen - autistische Menschen, die ganz in einer eigenen Welt leben und wenig Kontakt zur Außenwelt, zu anderen Menschen aufnehmen. Und doch waren ihre Bschreibungen unterschiedlich. Die von Kanner beschriebenen Kinder schienen schwerer betoffen zu sein, ganz in ihrer Welt gefangen, häufig geistig retardiert, während die von Asperger beschriebenen Kinder normal- bis hochintelligent waren und zu Spezialfähigkeiten neigten, in denen sie über ein vielfäligtes Wissen verfügten. Hatten sie trotz der Übereinstimmungen verschiedene Krankeiten beschrieben?

Während der sogenannte frühkindliche Autismus (Kanner-Syndrom) weltweite Beachtung fand, geriet das Asperger-Syndrom lange Zeit in Vergessenheit. Erst durch einem Artikel von L. Wing aus dem Jahre 1981 hat das Interesse an dieser Störung zugenommen. Heute werden autistische Störungen zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen gezählt. Tiefgreifende Entwicklungsstörungen sind gekennzeichnet durch qualitative Beeinträchtigungen in den gegenseitigen sozialen Beziehungen (Kontaktstörung) und durch eingeschränkte, sich wiederholende Interessen und Aktivitäten. Diese Auffälligkeiten sind in allen Situationen ein grundlegendes Merkmal des betroffenen Kindes.

Störungen im Sinne des "High functioning"-Autismus sind Varianten des frühkindlichen Autismus (Kanner-Syndrom), die den Kriterien des frühkindlichen Autismus entsprechen, aber durch höhere Intelligenzgrade gekennzeichnet sind. Unter dem Asperger-Syndrom werden Patienten gekennzeichnet, die zwar eine autistische Symptomatik, gleichzeitig jedoch keine gravierende Sprachentwicklungsverzögerung oder Intelligenzminderung aufweisen."

Das Untersuchungsprogramm soll sowohl der individuellen Hilfe für Betroffene als auch Forschungszwecken (Ursachenforschung) dienen.

"Das ehrgeizige Ziel unseres Projektes ist es reliable, umfassende Daten zu finden, die die Kontroverse und die Mißverständnisse um die verschiedenen Definitionen und Klassifikationen in Bezug auf die Diagnosen High-functioning Autismus und Asperger Syndrom zu beseitigen."

Achtung!Interessierte Eltern von Asperger-Kindern oder selber betroffene Jugendliche, die an dem Forschungsprogramm teilnehmen möchten, nehmen bitte mit Frau Dr. phil. Inge Kamp-Becker, eMail: kampbeck@med.uni-marburg.de Kontakt auf.


Ole Sylvester Jørgensen schreibt:
"Asperger-Syndrom" ist ein diagnostischer Begriff, der im letzten Jahrzehnt deutliches Interesse nicht nur in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, sondern auch von psychologischer und pädagogischer Seite auf sich gezogen hat."
Ole Sylvester Jorgensen: "Autismus oder Asperger"
Buchbeschreibung

"Das Interesse für das Asperger-Syndrom ist in gleichem Maße gewachsen, wie sich die Kenntnis von frühkindlichem (infantilem) Autismus gefestigt hat. Infantiler Autismus und Asperger-Syndrom sind verwandt, aber es wird weiter diskutiert, ob das Asperger-Syndrom lediglich eine Form des Autismus bei hoch begabten Menschen ist, oder aber eine eigenständige Störung, die sich von Autismus durch Ursachen, Erscheinungsform, Verlauf und Behandlung unterscheidet.

Die äußeren Anzeichen, die Asperger fand und als Hinweis für Autismus deutete, waren Störungen im Blickkontakt, Körpersprache, Gestus und Sprachgebrauch.

Im normalen alltäglichen Umgang mit anderen konnten die Kinder in diesen Bereichen keine natürliche, altersgemäße Kommunikation führen. Der Blick konnte fern sein, vielleicht nur flüchtig in die soziale Interaktion einbezogen. Körperhaltung und Gesten hatten keinen Bezug zu der Situation, in der sich das Kind befand, oft war es in einer Weise ungeschickt, die künstlich oder seltsam wirkte. Tonfall und Wortwahl hingegen waren insofern auffällig, dass bei gut entwickelter sprachlicher Kompetenz die Sprechweise von einer monotonen Sprachmelodie oder einer angenommenen 'erwachsenen' Ausdrucksweise geprägt wurde, die eine spontane verbale Kommunikation schwierig machte.

Asperger fasste dies als Ausdruck einer Diskrepanz zwischen Intelligenz und Gefühlsleben bei diesen Kindern auf."

(Zitat aus: "Autismus oder Asperger - Differenzierung eines Phänomens" von Ole Sylvester Jorgensen)


Diagnostisch wird das Asperger-Syndrom wie folgt beschrieben (ICD-10):

Das Asperger-Syndrom ist durch dieselbe Form qualitativer Beeinträchtigung der wechselseitigen sozialen Interaktion, wie für den Autismus typisch, charakterisiert, zusammen mit einem eingeschränkten, stereotypen, sich wiederholenden Repertoire von Interessen und Aktivitäten.

Die Störung unterscheidet sich vom Autismus in erster Linie durch fehlende allgemeine Entwicklungsverzögerungen bzw. den fehlenden Entwicklungsrückstand der Sprache und der kognitiven Entwicklung. Die Störung geht häufig mit einer auffallenden Ungeschicklichkeit einher.

Die Abweichungen tendieren stark dazu, bis in die Adoleszenz und das Erwachsenenalter zu persistieren. Gelegentlich treten psychotische Episoden im frühen Erwachsenenalter auf.

(aus: Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesverbandes "Hilfe für das autistische Kind")


Auf der Seite des "Forschungsprojekt Autismus" beim Klinikum der J.W.G.-Universität Frankfurt/M - Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters lesen wir:

"Menschen mit Autismus haben Verhaltensprobleme und Auffälligkeiten der Sprache. Oft fangen sie erst spät an zu sprechen oder die Sprache bleibt ganz aus. Zumeist haben sie auch Schwierigkeiten, mit anderen zu spielen und Freundschaften zu schließen. Sie entwickeln merkwürdige Interessen oder beschäftigen sich eingeschränkt stets mit den selben Dingen. Viele werden auch sehr unruhig und besorgt, wenn ihr Tagesablauf leicht variiert oder ihre Umgebung leicht verändert wird, z.B. wenn Möbel in der Wohnung umgestellt werden. Schließlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen mit Autismus auch geistig behindert sind recht groß.

Das Asperger-Syndrom hat weitreichende Ähnlichkeiten mit dem Autismus. Allerdings sind diese Verhaltensprobleme hier insgesamt geringer ausgeprägt, vor allem liegen in der Regel keine Sprachschwierigkeiten vor und die Betroffenen leiden nicht an Intelligenzminderung."

Prof. Dr. Fritz Poustka, leitender Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie Frankfurt/Main, hat zusammen mit seinen Mitarbeitern die Ergebnisse des Forschungsprojektes in einer Broschüre zusammengestellt.

Dieser Ratgeber Autismus ist vor allem für Eltern, Lehrer und Erzieher gedacht und sehr gut verständlich geschrieben.


Tony Attwood beschreibt das Asperger-Syndrom und seine Auswirkungen sehr verständlich. Er gibt in seinem Buch hilfreiche Strategien zur Förderung.
(empfohlen vom Bundesverband "Hilfe für das autistische Kind")

Er stellt im Vorwort fest:

"Bis vor wenigen Jahren kannte kaum jemand diesen Begriff, doch mittlerweile scheint es fast in jeder Schule ein Kind zu geben, das dieses Syndrom aufweist."

Tony Attwood: "Das Asperger-Syndrom"
Buchbeschreibung

"Die erste Charakterisierung solcher Kinder wurde vor mehr als 50 Jahren von Hans Asperger, einem Wiener Kinderarzt, veröffentlicht. Er entdeckte ein einheitliches Muster von Fähigkeiten und Verhaltensweisen, das vor allem bei Jungen auftritt.

Es beinhaltete einen Mangel an Empathie (Einfühlungsvermögen), eine gering entwickelte Fähigkeit, Freundschaften zu schließen, die Bereitschaft, einseitige "Gespräche" (Monologe) zu führen, die intensive Beschäftigung mit einem sehr speziellen Interessengebiet sowie unbeholfene Bewegungen.

Doch seine Pionierarbeit wurde erst in den 90er-Jahren international anerkannt."


Attwood unterscheidet zwischen NTs (neurologisch typisch) und Menschen mit AS. Der Unterschied liegt im Denken.

"Die einen sind emotional gesteuert und lernen durch Intuition, die anderen sind logisch gesteuert und lernen durch Instruktion."

Soziale Signale können nicht erkannt werden und daher kommt die Unsicherheit über Verhaltensregeln.

"Unser Lebensmuster wird von NTs aufgrund von Emotionen erstellt. Wer Emotionen nicht versteht, versteht das Lebensmuster nicht."

In seinem Artikel "Die Entdeckung von Aspie" plädiert Tony Attwood für die Bewegung: weg von Diagnose, der Aufzeichnung von Mängeln, hin zur Entdeckung der Stärken:

"Um eine Diagnose zu stellen, muß man die Aufmerksamkeit auf Schwächen richten, die Beobachtung und Interpretation von Anzeichen und Symptomen, die von der normalen Entwicklung oder Gesundheit abweichen. [...] Anders als Diagnose bezieht sich die Bezeichnung "Entdeckung" eher auf die Identifikation der Stärken oder Talente einer Person."


Tony Attwood in Magdeburg (persönlicher Rückblick auf die Tagung am 1. Juni 2002)


Australische Einschätzungskala für Asperger Syndrom für Kinder im Grundschulalter (von Dr. Tony Attwood - veröfffentlicht auf der Seite von Diana)


Hilfreich zum Verstehen autistischer Kinder und zum Umgang mit ihnen ist auch das Buch "Ich bin besonders!" von Joan Matthews und ihrem Sohn James. Beide schildern mit einer großen Portion Humor Alltagsprobleme und geben viele Lösungsmöglichkeiten. James, selbst ein "besonderes Kind" hat im Alter zwischen 7 und 11 Jahren viele Kapitel zu dem Buch beigetragen.

(empfohlen vom Bundesverband "Hilfe für das autistische Kind")

Matthews: "Ich bin besonders"
Buchbeschreibung

Menschen mit Asperger-Syndrom und ihre Familien haben ganz besondere Schwierigkeiten.

 

Der Umgang mit anderen Menschen, die Anforderungen in Kindergarten, Schule, Ausbildung und Beruf können gravierende Probleme bereiten.

Erwachsene, die selbständig leben, können dennoch Schwierigkeiten beim Wohnen und der Haushaltsführung, beim Arbeiten oder in der Freizeit haben und benötigen Hilfestellungen.

Man merkt den davon Betroffenen ihre Probleme nicht sofort an, sie sind erst "auf den zweiten Blick" auffällig. Dann wirken sie auf ihre Umwelt unter Umständen seltsam, verschroben, umständlich, ängstlich, schüchtern, unfreundlich, unkollegial, egoistisch, unhöflich, unnahbar, undankbar, faul, lustlos usw...

Da das Asperger-Syndrom immer noch nicht sehr bekannt ist, denkt kaum jemand an eine ernsthafte Störung, sondern diese "merkwürdigen Verhaltensweisen" werden "mangelnden Charaktereigenschaften" zugeschrieben. So müssen Menschen mit Asperger-Syndrom oft unter Ausgrenzung, Mobbing, etc. leiden. Häufig werden sie sogar als "gestört" oder "verrückt" bezeichnet.

Weil sie oftmals besonders perfekt sprechen können, wird angenommen, dass sie auch alles verstehen. Gemessen am autistischen Spektrum sind sie nur relativ „leicht“ betroffen und so wird häufig geglaubt, sie brauchten keine Hilfe.

In Wirklichkeit benötigen Menschen mit Asperger-Syndrom ganz spezielle Hilfe und ganz besonderes Verständnis, denn sie werden immer an den Maßstäben derer gemessen, die kein AS haben, und so kommt es ständig zu Fehleinschätzungen und Überforderungen. Die Erfahrungen damit und die spätere Selbsterkenntnis, dass sie diese Erwartungen kaum werden erfüllen können, so sehr sie sich auch anstrengen, verursacht den meisten von ihnen große Leiden.

Eltern von Kindern mit Asperger-Syndrom müssen eine "Gratwanderung" zwischen Fördern, Fordern und Überfordern bestehen. Sie machen sie sich große Sorgen um ihr Kind, und haben oft Angst, dass es als Erwachsener kein selbständiges Leben führen kann, da ihm viele praktische und soziale Fähigkeiten fehlen, die im Alltagsleben benötigt werden. Auf der anderen Seite müssen sie sich Vorwürfe anhören, sie seien nicht fähig, ihr Kind richtig zu erziehen. Sie werden von vielen Fragen gequält, auf die sie selten eine Antwort erhalten:

  • welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

  • welche Schule ist die Richtige?

  • wie informiere ich Lehrer und Mitschüler?

  • in welcher Form wird eine Berufs-Ausbildung
    und -Ausübung möglich sein?

  • wie ist selbständiges Wohnen darstellbar?
  • welche Hilfe und Unterstützung gibt es?

Wir wollen gemeinsam diesen Fragen auf die Spur gehen und Erfahrungen austauschen.

Achtung!Deshalb bieten wir ein regelmäßiges Eltern-Treffen an, wozu wir ganz herzlich einladen!

(Für Kinderbetreuung während des Eltern-Treffens ist gesorgt.)

Achtung!Außerdem gibt es auch eine Selbsthilfegruppe für Frauen und Männer mit Asperger Autismus in Heidelberg, die Termine finden Sie hier.

Hannelore Gerner©


Brauns: "Buntschatten und Fledermäuse"
Buchbeschreibung

Axel Brauns:

"Das Leben im Autismus ist eine miserable Vorbereitung für das Leben in einer Welt ohne Autismus. Die Höflichkeit hat viele Näpfchen aufgestellt, in die man treten kann. Autisten sind Meister darin, keines auszulassen."


Andrea Pickartz, Heinrich Hölzl, Martin H. Schmidt (Hrsg.)
"Autistische Menschen zwischen Jugend- und Behindertenhilfe"
High-Functioning-Autism und Asperger-Syndrom

Beiträge der Fachtagung anlässlich des 30jährigen Bestehens desHeilpädagogisch-therapeutischen Zentrums "Die Gute Hand" in Kürten-Biesfeld am 10. und 11. Juni 1999.

Pickartz, Hölzl, Schmidt: "Autistische Menschen zwischen Jugend- und Behindertenhilfe"
Buchbeschreibung

vom Bundesverband herausgegebene Broschüren

Kari Steindal: Das Asperger-Syndrom
wie man Personen mit Asperger-Syndrom und autistische Personen mit hohem Entwicklungsniveau ("high-functioning autism") versteht und wie man ihnen hilft.
Übersetzung: Susanne Schäfer
Hinweise zum Umgang und zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Asperger-Syndrom und High-functioning Autismus
Stellungnahme des wissenschaftlichen Beirats des Bundesverbandes "Hilfe für das autistische Kind"
High-functioning-Autismus und das Asperger-Syndrom
Tagungsbericht vom 22. bis 24. Oktober 1999 in Köln

allgemeine Informationen im Internet (Disclaimer)

Stephen Bauer: Asperger Syndrom
(ursprünglich bei O.A.S.I.S. - übersetzt von Diana)
Einige Aspekte zum Verständnis und zur Erkennung des Asperger-Syndroms
(Bärbel Buschlinger-Wienicke)

Dr. Tony Attwood:
Das Muster von Fähigkeiten und Entwicklung von Mädchen mit Asperger-Syndrom

Dr. Tony Attwood:
Zitate von Menschen mit Asperger-Syndrom
Berliner Modell
der sonderpädagogischen Förderung von Kindern und Jugendlichen mit autistischen Zügen
Informationen für Menschen mit Asperger-Syndrom und high-functioning Autismus
und ihre LebensbegleiterInnen
"Hochbegabung"
eine Information der Schulpsychologischen Beratung des Oberschulamts Stuttgart
PDD / Asperger Support Group Fairfield County, Connecticut - in englisch
O.A.S.I.S. Online Asperger Syndrome Information & Support - in englisch
ASC-U.S.
Welcome to the Home Page of Asperger Syndrome Coalition of the United States, Inc. - in englisch
Yale Child Study Center
Developmental Disabilities Clinic & Research Home Page - in englisch

Berichte im Internet und Homepages von und über Menschen mit Asperger-Syndrom 

Homepage von Temple Grandin USA - in englisch
Homepage von Donna Williams - in englisch
Aspie.Com - Homepage von Liane Holliday Willey - in englisch

"Unseren Weg finden"
Eine Mutter und ihre Tochter lernen mit Asperger-Syndrom zu leben.
Liane Holliday-Willey (Übersetzung von Diana)

Lebensbericht von Liane Holliday Willey
Vorwort von Tony Attwood - in englisch

Diana's Homepage über Asperger Syndrom, Sittiche
(mit Übersetzungen von englischen Artikeln über das Asperger-Syndrom)

Tony Attwood interviewt Temple Grandin (Übersetzung von Diana)

www.autismus.org
Web-Portal zum Autismus (eingerichtet von Wolfgang)

Spezielle Foren, Mailing-Listen und Chat

>>Aspie-Network<< (eingerichtet von Betroffenen für Betroffene und Eltern)
Mailing-Liste  (eingerichtet und moderiert vom RV Linker Niederrhein)
Forum Asperger Autismus (eingerichtet vom Bundesverband)
Autismus-Forum (eingerichtet vom RV Linker Niederrhein)

the #asperger IRC channel
where those who are different find that they're not alone
Asperger-Seite und Forum - mit Kid's-Forum - in englisch

zur Pinnwand allgemeine Einführung zu Autismus
weitere interessante Texte
weitere Buchempfehlungen
weitere Links
Disclaimer

letztes Update: 22.11.2014

Sitemap / no Frame